Blog

Chemische Dysbalance

Antidepressiva u.v.m.

Und wieder einmal ist es passiert. Das ‚neue# Medikament soll besser wirken und weniger Nebenwirkungen haben. Doch das war lediglich, wenn überhaupt, in den (vom Hersteller finanzierten) Studien zu sehen.

Tatsächlich ist es oft das Gegenteil. Wie zum Beispiel bei VIOXX. Und nun auch bei den SSRI Antidepressiva. Diese Mittel sollen den Verbleib von Serotonin im synaptischen Spalt verlängern. Und damit verlängerte Glücksgefühle auslösen. Klingt komisch? Ist es auch.

Denn wer kann den Serotoninspiegel im synaptischen Spalt messen? Niemand!

Die Funktionsweise dieser Mittel beruht auf einer theoretischen Vorstellung. Die Studienergebnisse waren nicht wirklich berauschend, Entschuldigung für das Wortspiel, und zeigten zwar statistisch relevante Verbesserungen, aber kaum klinisch wichtige Veränderungen. Sprich, auf dem Papier sah alles toll aus aber in der Realität der Patienten nicht ganz so.

Nun basieren aber nahezu alle Medikamente auf der Idee, dass dem Körper etwas fehlt. Und dieses Etwas kommt entweder in der Natur gar nicht vor (Ibuprofen) oder es wird ein natürlicher Botenstoff chemisch hergestellt und in sehr großen Dosierungen dem Körper zugeführt (Insulin, Östrogen, Serotonin, Dopamin). Aber genau diese Idee der chemischen Dysbalance ist nicht universell akzeptiert.

“We have no idea about which interplay of psychosocial conditions, biochemical processes, receptors and neural pathways that lead to mental disorders, and the theories that patients with depression lack serotonin and that patients with schizophrenia have too much dopamine have long been refuted. It is very bad to give patients this message because the truth is just the opposite. There is no chemical imbalance to begin with, but when treating mental illness with drugs, we create a chemical imbalance, an artificial condition that the brain tries to counteract.”

Peter Chiropractic. Gøtzsche

Gøtzsche sagt hier, dass die Idee eines chemischen Ungleichgewichts im Gehirn die Ursache für psychische Erkrankungen ist, falsch ist. Durch die Medikamente wird ein künstliches Ungleichgewicht geschaffen. Und dieses hat schwere Auswirkungen wenn versucht wird, die Medikamente wieder abzusetzen.

Wieder mal die Sackler Familie

Und wieder geht eine fundamental falsche Idee auf die Familie Sackler zurück. Die drei Sackler Brüder, deren Nachkommen sich gerade von aller Schuld für 10.000-de Tote freigekauft haben, haben die Idee populär gemacht, dass psychische Erkrankungen Hirn-chemische Ursachen haben. Und diese Idee ist bis heute aktuell. Zum Teil weil einfach keine andere greifbare Strategie existiert. Und natürlich auch deshalb weil der Markt für Psychopharmaka absolut gigantisch ist. In Zahlen; weltweit geht es um 28.600.000.000 $.

Wir brauchen wieder mal neue und vor allem bessere und integriertere Ideen, wie wir mit dieser Art von Erkrankung umgehen wollen. Die ‚bequeme‘ Lösung einer kleinen Pille, die alles wieder OK macht, gibt es nicht. Das wissen vor allem die Betroffenen…

Denkanstöße, Tipps und Übungen für den Alltag?